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Welt fairändern?

Was wir essen und trinken, wohin wir in Urlaub fahren, wie wir uns kleiden – unsere Kaufentscheidungen und unser Verhalten beeinflussen nicht nur unser eigenes Leben. Was wir tun, wirkt sich auch auf andere Menschen aus – oft in anderen Teilen der Welt – und nimmt Einfluss auf das Leben nachfolgender Generationen. Als KonsumentInnen entscheiden wir jeden Tag mit, über den Verbrauch von Rohstoffen und Energie und die Auswirkungen auf das Klima. Wir haben es in der Hand, unter welchen Bedingungen die Produkte hergestellt werden und ob wir bäuerliche Existenzen sichern, Bauern fair entlohnt oder Kinder ausgebeutet werden.
Von Veronika Polster
Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur auf die eigenen Vorteile bedacht zu sein, sondern Rücksicht zu nehmen auf andere Menschen und auf die Natur. Nachhaltigkeit bedeutet auch Schutz von Naturgütern und Rohstoffen, damit wir nicht die Lebensperspektiven der nachfolgenden Generationen einschränken. Wer Produkte aus fairem Handel kauft, wird diesen Aspekten gerecht, denn die Menschen in den produzierenden Ländern bekommen einen fairen Lohn und es wird umweltschonend produziert.

FAIRER HANDEL
Der Faire Handel setzt seit über 30 Jahren auf die Förderung von Kleinbauernfamilien und ArbeiterInnen in Afrika, Asien und Lateinamerika sowie auf Ressourcen schonende, nachhaltige Anbauweisen. So ist etwa der konventionelle Anbau von Bananen, Blumen und Baumwolle oft mit erheblichem Wasserverbrauch und mit Einsatz von chemischem Dünger, Herbiziden und Pestiziden verbunden. Bei Fairtrade aber gibt es speziell für die einzelnen Produkte entwickelte Umweltstandards. So gehören der minimale Einsatz von schädlichem Dünger und Insektenbekämpfungsmitteln, Abfall- und Wassermanagement – darunter auch die Sicherstellung sauberen Trinkwassers - Maßnahmen gegen Bodenerosion sowie Verzicht auf Brandrodung und der weitgehende Ersatz fossiler Brennstoffe durch umweltfreundliche Energien zu den Prinzipien im Fairen Handel. Die Bauern und Bäuerinnen werden darin unterstützt, schrittweise auf kontrollierten biologischen Anbau umzustellen. 75 Prozent der Fairtrade-Produkte sind zugleich Bio-Produkte.

KOOPERATIVEN
Fairtrade-Kooperativen können sich kontinuierlich weiterentwickeln, weil sie für ihre Ware – unabhängig von den Weltmarktpreisen – faire Mindestpreise bekommen, die sich nicht nur an den Weltmarktpreisen, sondern auch an der Entwicklung der Kaufkraft orientieren. Steigt der Weltmarktpreis über den Fairtrade-Mindestpreis, zahlt Fairtrade den höheren Preis. Weiters erhalten die Bauernfamilien Sozial- und Bioprämien. Die Folge der besseren Entlohnung: Der Ausbau der Infrastruktur der Kooperativen und der Umstieg auf biologischen Anbau werden plan- und realisierbar, man kann die Kinder zur Schule schicken sowie die Wohnqualität und Krankenversorgung verbessern.

PRODUKTE
Fairtrade-Produkte werden großteils von Kleinbauernfamilien angebaut. Nicht alle Beteiligten können lesen. In Fairtrade-Genossenschaften müssen Frauen wie Männer aller ethnischen Gruppen an sämtlichen wichtigen Entscheidungen ihrer Kooperative direkt und demokratisch beteiligt sein. Kinder- und Zwangsarbeit sind verboten. Die Genossenschaften müssen politisch unabhängig sein und eine demokratische Struktur aufweisen. Die Fairtrade-Partner in den so genannten Entwicklungsländern müssen neben der schweren landwirtschaftlichen Arbeit auch in den Bereichen Organisation, Management, Soziales, Rechenwesen, Umweltschutz etc. sehr viel lernen und leisten, was zu enormen Entwicklungsschüben in den Regionen vor Ort führt.
Bereits 1,4 Mio. Kleinbauernfamilien profitieren vom Fairtrade-System, und sie sind stolz darauf, Fairtrade-Partner zu sein: Nun können sie ihre hochwertigen Qualitätsprodukte exportieren und am Weltmarkt mitmischen.
Mag. Veronika Polster ist Volkswirtin und Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Fairtrade Österreich.