Nur mehr rot sehen so manche, wenn sie an eine
Zukunft ohne Auto denken.
Zukunft ohne Auto denken.
Autovisionen?
Verkehrsvisionen sind ein Abbild der künftigen Mobilität, das dem Notstand, sich für die Befriedigung seiner Bedürfnisse bewegen zu müssen, möglichst nachhaltig Rechnung trägt. Das beinhaltet demnach eine ökonomische, ökologische und soziale Herangehensweise und jedenfalls mehr als nur den Verkehr. Die Ansprüche an die Visionäre sind daher extrem hoch. Es gilt miteinander nicht vereinbare Wünsche, wie etwa "dem ordentlich Gas geben" und dem Anspruch, Kinder in einer Umgebung ohne todbringende Abgase aufwachsen zu lassen, zu koordinieren. Letztendlich gilt es zu entscheiden, welcher dieser konträren Wünsche erfüllt wird.
Der Phantasie der Verkehrsvisionäre waren bis zur industriellen Revolution enge Grenzen gesteckt. Maßstab der Verkehrsentwicklung waren alleinig der Fußgänger bzw. der Aktionsradius von Pferde- und Ochsenkarren. Für den Einzelnen war die Notwendigkeit, täglich weite Distanzen zu überwinden, nicht gegeben, schließlich war der überwiegende Teil der Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt. Damit waren sie, zumindest aus heutiger Sicht, Selbstversorger und damit echte "Mobilitätsmuffel". Größere Städte waren kompakt und das urbane Wegenetz reichte aus, den Verkehr abwickeln zu können. Es herrschte schlichtweg kein Bedarf an visionärer Verkehrsgestaltung.
Wirklich beflügelt wurde die Vorstellungskraft der Visionäre erst durch die Errungenschaften des beginnenden technischen Zeitalters. Fortan sollten Eisen- und Straßenbahn den Aktionsradius der Visionäre und der Transportwirtschaft beträchtlich erweitern. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte man damals unglaubliche Geschwindigkeiten jenseits der 100 Stundenkilometer und ermöglichte so ein rasantes Städtewachstum und eine boomende Entwicklung entlang der Verkehrsadern. Die neuen Möglichkeiten entzweiten die Visionäre. Für die einen war beim "Dampfwagen" schlichtweg der Teufel im Spiel, der den Beginn der Apokalypse einläutete, für die anderen war er Inbegriff des Aufbruchs in eine neue Epoche. Diese wurde verkehrspolitisch erst durch das Automobil abgelöst.
GROSSE FREIHEIT?
Der Aufstieg des PKW eröffnete einen Reigen weiterer Verkehrsvisionen und ist letztendlich selbst Teil einer solchen. Erst durch die Vision namhafter Hersteller, allen voran Henry Ford, Autos zu bauen, die für jedermann erschwinglich sind, wurde der Grundstein für das massenhafte Auftreten des Autos gelegt. Aus einer kollektiven Bahnmobilität sollten in den folgenden Jahren autobezogene, individuelle Konzepte entstehen. Einengende Verkehrsachsen und auch der Bedarf an Raumordnung schienen aufgehoben zu sein. Der PKW war in den Konzepten die Lösung für die Eroberung des gesamten Raums, schließlich war es möglich, überall, auch auf noch so kleinen Feldwegen, zu verkehren. Siedlungen und Betriebsansiedlungen konnten, von einigen wenigen geographischen Ausnahmen abgesehen, überall entstehen und durch die Segnungen der Kraftfahrzeuge (seien es PKW oder LKW) florieren. Dem PKW oder - unbequemer – den MotorradbenutzerInnen eröffnete sich also eine neue Welt, die denen, die kein motorisiertes Gefährt besaßen, verwehrt blieb. Lediglich ein Drittel der Bevölkerung sollte die neue Freiheit genießen. Der Rest war zu alt, zu jung oder zu arm.
glückliche Autobesitzerinnen
Glückliche PKW-BesitzerInnen waren nicht mehr auf eine lokale Versorgung angewiesen, schließlich konnten alle ihre Bedürfnisse auch beliebig andernorts befriedigen. Mobilitätsvisionen mutierten so zu auch heute noch gebräuchlichen Autovisionen. Mit weitreichenden Folgen: Mobil ist man nicht mehr, wenn man in der Lage ist, all seine Bedürfnisse wie Versorgung, Erholung, Bildung und Arbeit in unmittelbarer Nähe mit möglichst geringem persönlichen Energieaufwand zu befriedigen. Man ist dann mobil, wenn man in möglichst kurzer Zeit weite Distanzen überwinden kann, um die gleichen Bedürfnisse, in wenig abgeänderter Form, weiter weg zu befriedigen. Das ganze heißt dann Fortschritt und äußert sich beispielsweise darin, dass nicht mehr beim Supermarkt ums Eck eingekauft wird, sondern weitaus billiger mit dem Auto im Einkaufszentrum einige Kilometer außerhalb der Stadt.
Dieses visionäre Freiheitsbild wird von den Automobilherstellern und weiteren Interessengruppen wie Bauindustrie und Autofahrerclubs bewusst gefördert. Es wird suggeriert, man kaufe die große Freiheit und Individualität auf vier, selbstverständlich voll klimatisierten Rädern. Dies wird auch dann noch versucht, wenn von großer Freiheit durch Staus und Parkplatzsuche nicht mehr viel übrig ist und die Ersparnis im Mega-, Supra- oder Gigaeinkaufszentrum, wenn überhaupt, aufgrund der Distanzen eher mickrig ausfällt. Autohersteller setzen daher bei jedem Autotyp auf Modellvielfalt mit umfangreichen persönlichen Ausstattungsmerkmalen. Die persönlich emotionale Bindung an das Auto soll dadurch einzementiert werden, um rationelle Überlegungen im Zusammenhang mit Mobilität immer weiter zurück zu drängen. Untrennbar mit der Vision der automobilen Freiheit und
Individualität sind neue Lebensstile und Siedlungsformen, wie etwa weitläufige
Einfamilienhausgebiete im Grünen, verbunden. Niedrige Bevölkerungsdichten und wenig verbauter Raum abseits der Großstadthektik stellen für viele das Idealbild einer Siedlung dar. Ermöglicht wird diese Lebensform erst durch den PKW, da bei derart geringen Dichtewerten weder ein öffentlicher Verkehr sinnvoll zu führen, noch ein Nahversorgungsbetrieb gewinnbringend zu halten ist.
Diese Freiheitsvisionen prägten das Verkehrsleitbild jedenfalls bis zur Erdölkrise in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts und zum Teil mit sparsameren Automodellen bis heute.
Wirklich beflügelt wurde die Vorstellungskraft der Visionäre erst durch die Errungenschaften des beginnenden technischen Zeitalters. Fortan sollten Eisen- und Straßenbahn den Aktionsradius der Visionäre und der Transportwirtschaft beträchtlich erweitern. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte man damals unglaubliche Geschwindigkeiten jenseits der 100 Stundenkilometer und ermöglichte so ein rasantes Städtewachstum und eine boomende Entwicklung entlang der Verkehrsadern. Die neuen Möglichkeiten entzweiten die Visionäre. Für die einen war beim "Dampfwagen" schlichtweg der Teufel im Spiel, der den Beginn der Apokalypse einläutete, für die anderen war er Inbegriff des Aufbruchs in eine neue Epoche. Diese wurde verkehrspolitisch erst durch das Automobil abgelöst.
GROSSE FREIHEIT?
Der Aufstieg des PKW eröffnete einen Reigen weiterer Verkehrsvisionen und ist letztendlich selbst Teil einer solchen. Erst durch die Vision namhafter Hersteller, allen voran Henry Ford, Autos zu bauen, die für jedermann erschwinglich sind, wurde der Grundstein für das massenhafte Auftreten des Autos gelegt. Aus einer kollektiven Bahnmobilität sollten in den folgenden Jahren autobezogene, individuelle Konzepte entstehen. Einengende Verkehrsachsen und auch der Bedarf an Raumordnung schienen aufgehoben zu sein. Der PKW war in den Konzepten die Lösung für die Eroberung des gesamten Raums, schließlich war es möglich, überall, auch auf noch so kleinen Feldwegen, zu verkehren. Siedlungen und Betriebsansiedlungen konnten, von einigen wenigen geographischen Ausnahmen abgesehen, überall entstehen und durch die Segnungen der Kraftfahrzeuge (seien es PKW oder LKW) florieren. Dem PKW oder - unbequemer – den MotorradbenutzerInnen eröffnete sich also eine neue Welt, die denen, die kein motorisiertes Gefährt besaßen, verwehrt blieb. Lediglich ein Drittel der Bevölkerung sollte die neue Freiheit genießen. Der Rest war zu alt, zu jung oder zu arm.
glückliche Autobesitzerinnen
Glückliche PKW-BesitzerInnen waren nicht mehr auf eine lokale Versorgung angewiesen, schließlich konnten alle ihre Bedürfnisse auch beliebig andernorts befriedigen. Mobilitätsvisionen mutierten so zu auch heute noch gebräuchlichen Autovisionen. Mit weitreichenden Folgen: Mobil ist man nicht mehr, wenn man in der Lage ist, all seine Bedürfnisse wie Versorgung, Erholung, Bildung und Arbeit in unmittelbarer Nähe mit möglichst geringem persönlichen Energieaufwand zu befriedigen. Man ist dann mobil, wenn man in möglichst kurzer Zeit weite Distanzen überwinden kann, um die gleichen Bedürfnisse, in wenig abgeänderter Form, weiter weg zu befriedigen. Das ganze heißt dann Fortschritt und äußert sich beispielsweise darin, dass nicht mehr beim Supermarkt ums Eck eingekauft wird, sondern weitaus billiger mit dem Auto im Einkaufszentrum einige Kilometer außerhalb der Stadt.
Dieses visionäre Freiheitsbild wird von den Automobilherstellern und weiteren Interessengruppen wie Bauindustrie und Autofahrerclubs bewusst gefördert. Es wird suggeriert, man kaufe die große Freiheit und Individualität auf vier, selbstverständlich voll klimatisierten Rädern. Dies wird auch dann noch versucht, wenn von großer Freiheit durch Staus und Parkplatzsuche nicht mehr viel übrig ist und die Ersparnis im Mega-, Supra- oder Gigaeinkaufszentrum, wenn überhaupt, aufgrund der Distanzen eher mickrig ausfällt. Autohersteller setzen daher bei jedem Autotyp auf Modellvielfalt mit umfangreichen persönlichen Ausstattungsmerkmalen. Die persönlich emotionale Bindung an das Auto soll dadurch einzementiert werden, um rationelle Überlegungen im Zusammenhang mit Mobilität immer weiter zurück zu drängen. Untrennbar mit der Vision der automobilen Freiheit und
Individualität sind neue Lebensstile und Siedlungsformen, wie etwa weitläufige
Einfamilienhausgebiete im Grünen, verbunden. Niedrige Bevölkerungsdichten und wenig verbauter Raum abseits der Großstadthektik stellen für viele das Idealbild einer Siedlung dar. Ermöglicht wird diese Lebensform erst durch den PKW, da bei derart geringen Dichtewerten weder ein öffentlicher Verkehr sinnvoll zu führen, noch ein Nahversorgungsbetrieb gewinnbringend zu halten ist.
Diese Freiheitsvisionen prägten das Verkehrsleitbild jedenfalls bis zur Erdölkrise in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts und zum Teil mit sparsameren Automodellen bis heute.
Splitter
Zusammenfassung
Neue Wege? Verkehrsvisionen gehen weit über eine möglichst rasche Verbindung zwischen zwei Standorten hinaus. Sie geben vielmehr Antworten über die Sicherstellung der Mobilität möglichst Vieler und sollten mehr bringen als nur mehr Verkehr. Dafür bedarf es, gerade jetzt, zu einem Zeitpunkt wo viele Verkehrsvisionen zu Autovisionen verkümmert sind, vorausschauender Planung und politischen Mutes, um gegenzusteuern. Schließlich ist der öffentliche Raum nicht nur für jene da, die sich ein Auto leisten können.









