Interview
Klein, aber oho
Nanomaterialien werden in vielen Prozessen und Produkten eingesetzt, doch über die Risiken ist noch wenig bekannt. Wie kann hier Abhilfe geschaffen werden, welche Informationen brauchen die Betroffenen? Darüber sprach Christoph Streissler mit Prof. Dr. Harald F. Krug von der Schweizer Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA.
Was muss sich bei der Risikobeurteilung von Nanomaterialien tun, damit diese effizient zu relevanten Ergebnissen führt?
Krug: Die größte Herausforderung bei der Risikobeurteilung ist natürlich die Tatsache, dass es noch immer keine evaluierten und robusten Methoden gibt, um dies wirklich zu tun. Somit sind wir aktuell auf viele, wenig miteinander vergleichbare Studienergebnisse angewiesen, deren Aussagekraft sehr eingeschränkt ist. Hier hilft es sicher, dass durch die Gründung von verschiedenen Konsortien die Etablierung validierter Methoden vorangetrieben wird (z. B. IANH – www.nanoehsalliance.org).
Welche strategischen Empfehlungen haben Sie für den Schutz der ArbeitnehmerInnen beim Umgang mit Nanomaterialien, v.a. bei der Verarbeitung?
Krug: Solange nicht klar nachgewiesen ist, dass von den hergestellten Materialien keine Gefährdung ausgeht, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Das beginnt mit der Synthese von Nanomaterialien in geschlossenen Systemen und endet in der persönlichen Schutzausrüstung (z. B. Schutzkleidung, Atemschutz), dort wo sich ein offener Umgang nicht vermeiden lässt. Der wichtigste Hinweis besteht sicher darin, dass die Bildung von Aerosolen am Arbeitsplatz unbedingt vermieden werden muss, d.h. es dürfen keine trockenen Pulver derart verarbeitet werden, dass die Partikel in die Luft abgegeben werden könnten. Die Aufnahme über die Lunge durch Einatmen ist gesundheitlich sicher der bedenklichste Aufnahmeweg. Der Umgang mit Suspensionen oder festen Kompositmaterialien ist dagegen wesentlich unbedenklicher.
Was kann in Österreich beim Dialog zwischen Öffentlichkeit und Fachleuten aus bisherigen Dialogprozessen gelernt werden?
Krug: Diese Antwort ist sicher nicht einfach, da es kein generelles Rezept für die Information der Öffentlichkeit gibt. Nach unseren Erfahrungen aus "NanoCare" ist es nicht leicht, die Öffentlichkeit zu mobilisieren, aber diejenigen, die dann am Dialog teilnehmen, sind sehr interessiert. In jedem Fall ist angeraten, durch öffentliche Veranstaltungen und Vorträge den Kontakt sowohl zu Fachleuten als auch zu Laien zu intensivieren, denn Aufklärung tut in jedem Fall Not. Der Dialogprozess sollte fair sein, und die Bedenken, auch wenn sie fachlich vielleicht unbegründet sind, müssen unbedingt ernst genommen werden.
Halten Sie im Sinn des Konsumentenschutzes eine Kennzeichnung von Nanomaterialien in Konsumprodukten oder ein entsprechendes Produktregister für sinnvolle Maßnahmen?
Krug: Eine Deklaration macht nur dann Sinn, wenn sie zum einen auch verstanden wird und zum anderen eindeutig ist. Da derzeit noch die Definitionen fehlen und völlig unklar ist, was eine Deklaration ergeben soll, wäre diese sicher kontraproduktiv. Mittelfristig halte ich aber eine "Nano"-Deklaration für durchaus angebracht, damit der Verbraucher sich selbst entscheiden kann. Bei der Verdeutlichung der Vorteile eines "Nano-Produktes" wird der Verbraucher kaum zögern, dieses Produkt zu kaufen, auch wenn "nano" draufsteht.
Krug: Die größte Herausforderung bei der Risikobeurteilung ist natürlich die Tatsache, dass es noch immer keine evaluierten und robusten Methoden gibt, um dies wirklich zu tun. Somit sind wir aktuell auf viele, wenig miteinander vergleichbare Studienergebnisse angewiesen, deren Aussagekraft sehr eingeschränkt ist. Hier hilft es sicher, dass durch die Gründung von verschiedenen Konsortien die Etablierung validierter Methoden vorangetrieben wird (z. B. IANH – www.nanoehsalliance.org).
Welche strategischen Empfehlungen haben Sie für den Schutz der ArbeitnehmerInnen beim Umgang mit Nanomaterialien, v.a. bei der Verarbeitung?
Krug: Solange nicht klar nachgewiesen ist, dass von den hergestellten Materialien keine Gefährdung ausgeht, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Das beginnt mit der Synthese von Nanomaterialien in geschlossenen Systemen und endet in der persönlichen Schutzausrüstung (z. B. Schutzkleidung, Atemschutz), dort wo sich ein offener Umgang nicht vermeiden lässt. Der wichtigste Hinweis besteht sicher darin, dass die Bildung von Aerosolen am Arbeitsplatz unbedingt vermieden werden muss, d.h. es dürfen keine trockenen Pulver derart verarbeitet werden, dass die Partikel in die Luft abgegeben werden könnten. Die Aufnahme über die Lunge durch Einatmen ist gesundheitlich sicher der bedenklichste Aufnahmeweg. Der Umgang mit Suspensionen oder festen Kompositmaterialien ist dagegen wesentlich unbedenklicher.
Was kann in Österreich beim Dialog zwischen Öffentlichkeit und Fachleuten aus bisherigen Dialogprozessen gelernt werden?
Krug: Diese Antwort ist sicher nicht einfach, da es kein generelles Rezept für die Information der Öffentlichkeit gibt. Nach unseren Erfahrungen aus "NanoCare" ist es nicht leicht, die Öffentlichkeit zu mobilisieren, aber diejenigen, die dann am Dialog teilnehmen, sind sehr interessiert. In jedem Fall ist angeraten, durch öffentliche Veranstaltungen und Vorträge den Kontakt sowohl zu Fachleuten als auch zu Laien zu intensivieren, denn Aufklärung tut in jedem Fall Not. Der Dialogprozess sollte fair sein, und die Bedenken, auch wenn sie fachlich vielleicht unbegründet sind, müssen unbedingt ernst genommen werden.
Halten Sie im Sinn des Konsumentenschutzes eine Kennzeichnung von Nanomaterialien in Konsumprodukten oder ein entsprechendes Produktregister für sinnvolle Maßnahmen?
Krug: Eine Deklaration macht nur dann Sinn, wenn sie zum einen auch verstanden wird und zum anderen eindeutig ist. Da derzeit noch die Definitionen fehlen und völlig unklar ist, was eine Deklaration ergeben soll, wäre diese sicher kontraproduktiv. Mittelfristig halte ich aber eine "Nano"-Deklaration für durchaus angebracht, damit der Verbraucher sich selbst entscheiden kann. Bei der Verdeutlichung der Vorteile eines "Nano-Produktes" wird der Verbraucher kaum zögern, dieses Produkt zu kaufen, auch wenn "nano" draufsteht.






