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Energieausweissiedlung

Seit Anfang 2009 ist der Energieausweis für Gebäude aufgrund einer EU-Richtlinie in Österreich, auch bei Vermietung und Verpachtung, verpflichtend. Bekannt ist der Energiekennwert von A bis G, von grün bis rot, bei Elektrogeräten, wie z. B. Kühlschränken, schon länger. Gesamtsysteme wurden in diese Betrachtungen bis dato eher nicht aufgenommen. So erscheint es grotesk, dass man für ein (wiewohl gut gedämmtes) Einfamilienhaus, auf freiem Feld, weitab der nächsten Siedlung, die höchste Wohnbauförderung bekommen kann, ohne dass die damit entstehenden Energieaufwände für Ver- und Entsorgung und Mobilität berücksichtigt werden.
Von Hans Emrich
Würde man eine Gesamtenergiebilanz von Siedlungseinheiten herstellen (inklusive Erstaufwand zur Errichtung sowie der Erhaltungsaufwände von technischer Ver- und Entsorgungsinfrastruktur sowie der Verkehrsinfrastruktur), so wäre bei energetisch ungünstigen bzw. infrastrukturell aufwändigen Bebauungs- und Siedlungsformen ein nicht unbeträchtlicher Aufschlag beim Energieverbrauch je Einzelhaus und je m2 Wohnfläche hinzuzurechnen: Somit kann das Passiv-Haus "am Waldesrand" (eventuell mit angeschlossener Dreifach-Garage), ohne entsprechende infrastrukturelle Anbindung energie-technisch nicht allein aufgrund seiner guten Wärmedurchgangs-Kennwerte positiv beurteilt werden.
Aus raumplanerischer Sicht und aus Gründen der Nachhaltigkeit ist das Ziel die gesamtheitliche Optimierung. Es sollen nicht nur Einzelobjekte, sondern ganze Siedlungseinheiten betrachtet werden, um so eine kompakte Bebauung mit möglichst kurzen Wegen zu erreichen. Gleichzeitig ist großes Augenmerk darauf zu legen, dass hohe Wohnqualität gesichert ist.
Zwei Faktoren sind bei der Neuanlage von Siedlungen entscheidend: Zunächst die Wahl des Standortes. Hier gilt: Je integrierter, also, je näher der Standort zu den zentralen Einrichtungen wie Einzelhandel, Schulen und Kindergärten, Ärzten und Ämtern ist, desto besser. Ein weiterer Schlüssel zur Senkung von Erschließungsaufwänden ist ein Bebauungsplan, der auf energieoptimierte Bauweisen abgestellt ist. Die energieeffiziente Erschließung und Situierung von Baugebieten bedeutet sowohl für die Gemeinde als auch für die einzelnen BauwerberInnen eine große finanzielle Entlastung.

SCHLAUER MIX
Bei der Auswahl eines geeigneten Standortes für eine neue Siedlung müssen für die energetische Optimierung Vorüberlegungen zu den topographischen Gegebenheiten, zu Besonnung/Beschattung sowie zur Wind- und Nebelhäufigkeit gemacht werden. Aber auch die Entfernung zu den Anschlusspunkten an die Ver- und Entsorgungsnetze gilt es zu berücksichtigen, ebenso die Nähe zu Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel.
Bei der Ausgestaltung der eigentlichen Siedlung, also bei der Anlage von Fuß- und Radwegen und Flächen für den motorisierten Verkehr sowie der Ausgestaltung der Baufelder einschließlich der Parzellierung, gilt es einen schlauen Mix unterschiedlicher Bauweisen anzubieten. Grundsätzlich kann man festhalten: je kompakter, desto energieeffizienter. Da sich die heutige Nachfrage allerdings nicht auf Geschoßwohnungen allein beschränkt, ist es zumeist erforderlich, auch Reihenhäuser bzw. Bauten in geschlossener Bauweise anzubieten. Das klassische freistehende Einfamilienhaus, das zu einer Bebauung führt, die von Siegfried Kautz, Raumplaner und Energieexperte, sehr treffend als "Kühlrippen" bezeichnet wird, ist als energetisch äußerst ungünstig einzustufen und tunlichst zu vermeiden.
Nicht berücksichtigt werden beim Energieausweis für Siedlungen all jene Parameter, die bereits im Energieausweis für Gebäude Eingang gefunden haben und dort optimiert werden können. Außerdem können diese Festlegungen auf Ebene der Gemeinde im Bebauungsplan nicht beeinflusst werden
(z.B. Isolierung, Baumaterial, Fenster, usw.).
DI Hans Emrich, MSc ist Raumplaner und Organisationsberater und Geschäftsführer von Emrich Consulting ZT-GmbH – Raumplanung + Kommunikation, www.emrich.at
Kontroverse

Pfand- und Mehrweggebinde

Das Angebot von Mehrweggebinden im Handel geht stark zurück. Die Wirtschaft sagt, die Konsumenten hätten sich gegen Mehrweg und für Einweg entschieden. Umfragen zeigen: 60 Prozent würden zur Mehrwegflasche greifen. Soll der Umweltminister den Handel auf Pfand- und Mehrwegangebote verpflichten?