Interview
Systemwechsel
Nachhaltigkeit. Die Krise hat die Debatte darüber verstärkt. Für die einen ist sie zu teuer, für die anderen der einzige Ausweg aus der Krise. Wie geht es mit der Nachhaltigkeit in und nach der Krise weiter? Darüber sprach Wilfried Leisch mit dem früherem Vorstandsdirektor der Linz Service GmbH, Univ. Doz. Mag. Dipl. Ing. Dr. Erhard Glötzl.
Wie "nachhaltig", das heißt wie langfristig ist die derzeitige Krise?
Glötzl: Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise wird länger dauern und schwerwiegendere Folgen haben als die meisten von uns derzeit noch wahr haben wollen. In der vergleichbaren großen Wirtschaftskrise der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts hat es Jahre gedauert, bis die Realwirtschaft
in vollem Umfang erfasst wurde. Ich erwarte massive Einbrüche in der Realwirtschaft Ende 2009, Anfang 2010, und es wird in der Folge nicht so schnell zu der gewünschten Erholung der Wirtschaft kommen.
Was passiert mit dem Prozess der nachhaltigen Entwicklung? Steckt die Nachhaltigkeit selbst auch in der Krise?
Glötzl: Einzelne isolierte Umweltprobleme können sehr wohl behördlich oder durch Gesetze in den Griff bekommen werden. Es
ist aber eine absolute Illusion zu glauben, dass man in einem
Wirtschaftssystem, das unter einem Zwang zum Wirtschaftswachstum steht, die weltweiten Probleme des wachsenden Resourcen- und Energieverbrauches auf ähnliche Weise, das heißt ohne grundsätzliche Änderungen des gängigen Wirtschaftssystems lösen kann.
Was kommt nach der Krise auf uns zu? Wie geht es mit der Nachhaltigkeit weiter?
Glötzl: In der Krise selbst ist jedem das Hemd näher als der Rock. Daher werden Fragen der Umwelt hinter den sofortigen realen Bedürfnissen vieler Menschen zurückstehen müssen. Nur die Wenigen, die ausreichend Geld haben, werden bereit sein, dies im Sinne der Umwelt auszugeben. Daran wird sich auch nach der Krise leider für längere Zeit nicht so schnell etwas ändern. Die Chance, die in der Krise möglicherweise liegt, besteht darin, dass sie einen grundlegenden Umdenkprozess in der Gesellschaft auslöst und auch zu der vordringlichen ethischen und moralischen Erneuerung der Gesellschaft führt.
Stellt sich natürlich die Frage: Sind Nachhaltigkeit und kapitalistische Wirtschaft vereinbar?
Glötzl: Im Wesen des Kapitalismus liegt es unter anderem, dass Kosten, die in der fernen Zukunft liegen, bei jeder Investitionsrechnung barwertmäßig abgezinst werden. Das bedeutet, dass sie für die Investitionsentscheidung bedeutungslos sind. Es ist daher offenkundig, dass in einem solchen System die ferne Zukunft grundsätzlich nicht optimiert werden kann. Dies ist gleichbedeutend damit, dass Nachhaltigkeit mit den bestehenden Wirtschaftsmechanismen nur sehr schwer durchsetzbar ist.
Kann etwas, und wenn ja, was muss akut getan werden?
Glötzl: Auch wenn es die vergangenen Jahre höchst unpopulär war: Der Staat muss seine Ordnungsfunktion wieder wesentlich stärker wahrnehmen. Das muss die wichtigste Erkenntnis aus der jetzigen Krise sein. Denn der Markt kann zwar das Produktionsproblem lösen, er kann aber weder das Verteilungsproblem lösen noch ist er imstande die natürlichen Grundlagen für das Überleben der Menschheit zu sichern.
Glötzl: Die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise wird länger dauern und schwerwiegendere Folgen haben als die meisten von uns derzeit noch wahr haben wollen. In der vergleichbaren großen Wirtschaftskrise der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts hat es Jahre gedauert, bis die Realwirtschaft
in vollem Umfang erfasst wurde. Ich erwarte massive Einbrüche in der Realwirtschaft Ende 2009, Anfang 2010, und es wird in der Folge nicht so schnell zu der gewünschten Erholung der Wirtschaft kommen.
Was passiert mit dem Prozess der nachhaltigen Entwicklung? Steckt die Nachhaltigkeit selbst auch in der Krise?
Glötzl: Einzelne isolierte Umweltprobleme können sehr wohl behördlich oder durch Gesetze in den Griff bekommen werden. Es
ist aber eine absolute Illusion zu glauben, dass man in einem
Wirtschaftssystem, das unter einem Zwang zum Wirtschaftswachstum steht, die weltweiten Probleme des wachsenden Resourcen- und Energieverbrauches auf ähnliche Weise, das heißt ohne grundsätzliche Änderungen des gängigen Wirtschaftssystems lösen kann.
Was kommt nach der Krise auf uns zu? Wie geht es mit der Nachhaltigkeit weiter?
Glötzl: In der Krise selbst ist jedem das Hemd näher als der Rock. Daher werden Fragen der Umwelt hinter den sofortigen realen Bedürfnissen vieler Menschen zurückstehen müssen. Nur die Wenigen, die ausreichend Geld haben, werden bereit sein, dies im Sinne der Umwelt auszugeben. Daran wird sich auch nach der Krise leider für längere Zeit nicht so schnell etwas ändern. Die Chance, die in der Krise möglicherweise liegt, besteht darin, dass sie einen grundlegenden Umdenkprozess in der Gesellschaft auslöst und auch zu der vordringlichen ethischen und moralischen Erneuerung der Gesellschaft führt.
Stellt sich natürlich die Frage: Sind Nachhaltigkeit und kapitalistische Wirtschaft vereinbar?
Glötzl: Im Wesen des Kapitalismus liegt es unter anderem, dass Kosten, die in der fernen Zukunft liegen, bei jeder Investitionsrechnung barwertmäßig abgezinst werden. Das bedeutet, dass sie für die Investitionsentscheidung bedeutungslos sind. Es ist daher offenkundig, dass in einem solchen System die ferne Zukunft grundsätzlich nicht optimiert werden kann. Dies ist gleichbedeutend damit, dass Nachhaltigkeit mit den bestehenden Wirtschaftsmechanismen nur sehr schwer durchsetzbar ist.
Kann etwas, und wenn ja, was muss akut getan werden?
Glötzl: Auch wenn es die vergangenen Jahre höchst unpopulär war: Der Staat muss seine Ordnungsfunktion wieder wesentlich stärker wahrnehmen. Das muss die wichtigste Erkenntnis aus der jetzigen Krise sein. Denn der Markt kann zwar das Produktionsproblem lösen, er kann aber weder das Verteilungsproblem lösen noch ist er imstande die natürlichen Grundlagen für das Überleben der Menschheit zu sichern.









