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Interview

Bahn frei?

Die ÖBB sind das größte Verkehrsunternehmen Österreichs und einer der größten Arbeitgeber der Republik. Sie könnten eine große Rolle beim Umwelt- und Klimaschutz spielen. Doch in den Schlagzeilen sind die ÖBB oft aus anderen Gründen. Warum? Darüber sprach Wilfried Leisch mit dem Vorsitzenden des ÖBB-Konzernbetriebsrats, Wilhelm Haberzettl.
Mit Wilhelm Haberzettl
Was ist los mit der Bahn?
Haberzettl: Rund 42.000 ArbeitnehmerInnen sorgen rund um die Uhr für die Sicherheit der Reisenden. Aber die ÖBB sind in den Schlagzeilen, weil jene Politiker, die sie in den Jahren der schwarz-blau-orangen Regierungen ins Chaos geritten haben, auch heute nicht locker lassen. Die ÖVP will für Investitionen in die Bahn-Infrastruktur Änderungen im Management, im Dienstrecht und im Pensionsrecht erpressen.

Ist die Bahn wirklich so schlecht ?

Haberzettl: Nein, diese öffentliche Hetzjagd auf die EisenbahnerInnen wird von einer ÖVP getragen, die mit der SPÖ ein Regierungsabkommen unterschrieben hat, in dem es heißt: "Österreich braucht eine leistungsfähige, moderne Schieneninfrastruktur und leis?tungsstarke Schienenverkehrsunternehmen." Bei den entsprechenden Reformmaßnahmen blockieren aber diese ÖVP-Politiker. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat verwahren sich dagegen, die EisenbahnerInnen aus politischem Kalkül in der Öffentlichkeit herunter zu machen.

Was hat das ÖBB-Management vor?

Haberzettl: Wo das ÖBB-Management derzeit wirklich hin will, das weiß es vermutlich selbst nicht. Glauben Sie mir, mir wäre viel wohler, wenn ich Gegenteiliges behaupten könnte. Ein Herunterfahren von Kapazitäten auf der Schiene bis hin zu Streckenschließungsplänen und Ersatzverkehre mit LKW und Bussen weist nicht wirklich Richtung mehr Schiene. Das ÖBB-Management ist offensichtlich viel mehr damit beschäftigt, wie die Güterverkehrstochter Railcargo Austria mit zusätzlichen modernen Lokomotiven privatisierungsreif geschmückt werden kann.

Was bedeutet das jetzige Crash-Programm?

Haberzettl: Auf alle Fälle nichts Gutes. Aber wir werden uns bemühen, das Schlimmste verhindern zu können. Die aktuellen Veränderungen in der Unternehmensstruktur sind vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen zu betrachten, die beispielsweise im ersten Halbjahr 2009 im Güterverkehr zu einem Rückgang der Erträge um 22 Prozent geführt haben. Dabei geht es allerdings den ÖBB international gesehen noch relativ gut. Andere europäische Bahnunternehmen weisen Umsatzrückgänge von bis zu 40 Prozent auf. Einziger Lichtblick dürfte der Personenverkehr bleiben – wider Erwarten konnte er heuer sein Ergebnis ins Positive drehen.

Gibt es Licht am Ende des Tunnels?

Haberzettl: Mit dem Rekordverlust von fast 966 Millionen Euro war 2008 für die ÖBB ein katastrophales Jahr. Vor allem die Rückstellungen für die Spekulationsgeschäfte und Sonderabschreibungen auf das Anlagevermögen sorgten für negative Zahlen. 2009 soll es laut Angaben des Managements in fast allen ÖBB-Bereichen ein ausgeglichenes Ergebnis geben. Seit vielen Jahren wird auch der Personenverkehr wieder schwarze Zahlen einfahren. Der gesamte ÖBB-Konzern wird aber voraussichtlich einen Verlust von 100 Millionen Euro schreiben, weil der Güterverkehr heuer einen Umsatzrückgang von 500 Millionen Euro hinnehmen musste.
Textende
Kontroverse

Klimaschutz - Sollen die MieterInnen dafür zahlen?

Klimaschutz und Energiesparen ist in aller Munde, die Dämmung von Gebäuden würde sehr viel dazu beitragen können. Geht es nach den WohnbauträgerInnen, sollen die Kosten nach einer thermischen Sanierung auf die MieterInnen abgewälzt werden. Sollen die MieterInnen für den Klimaschutz zahlen?