Cover Ausgabe 04 | 2009   eMail   Impressum

Fairplanen - Fairkaufen

Einkaufen, das ist so eine Sache. Die einen lieben es zu shoppen und kommen "vollgeschoppt" nach Hause. Die Folgen: oft hat man dann viel Plunder, und manche sogar Schulden am Hals. Die anderen hassen es, sich überhaupt in den Einkaufstrubel zu stürzen und meiden insbesondere das so genannte "Eventshopping". Viele wüßten aber gerne, wo man Einkauf, Umweltschutz und Soziales verbinden kann. Brauchen Sie einen Plan? Jetzt ist er da: Der "Faire Chancen Einkaufsplan" für Wien von Arbeiterkammer und Stadt Wien.
Von Wilfried Leisch
Arbeit und Umwelt haben gemeinsam, dass sie unser Leben nachhaltig beeinflussen: Ohne Arbeit kein Auskommen, ohne intakte Umwelt kein Überleben. Der Markt spielt in den letzten Jahren verrückt und droht die Grundlagen von Arbeit und Umwelt gleichermaßen zu gefährden, wenn nicht auch die ökonomische Komponente in das Nachhaltigkeitsdreieck Arbeit – Umwelt – Wirtschaft integriert wird. Sozialökonomische Betriebe können im Rahmen einer aktiven Arbeitsmarktpolitik einen wichtigen Beitrag zu einer gelebten Nachhaltigkeit leisten. Was und wie die Menschen einkaufen, kann dabei schon eine Rolle spielen. Mit dem neuen "Faire Chancen Einkaufsplan. Nachhaltig – sozial und umweltgerecht in Wien einkaufen" finden beide – KonsumentInnen und Initiativen – leichter und schneller zueinander.
Die Unternehmen in diesem Einkaufsplan – meist so genannte sozialökonomische Betriebe – bieten KonsumentInnen verschiedenste hochwertige und leistbare Produkte und Dienstleistungen. Bei einem breiten Angebot – von Reperaturdiensten über Kunsthandwerk bis zu Maler-, Schlosser- oder Tischlerarbeiten, von Rehabilitations- und Integrationseinrichtungen bis hin zu Catering und Gastronomie – ist ihnen doch eines gemeinsam: sie verbinden wichtige aktive Arbeitsmarktpolitik mit günstigen Leistungsangeboten und mit Umweltschutz. ArbeitnehmerInnen können wieder im Berufsleben Fuß fassen und tragen durch ihre Tätigkeit wie z. B. dem Reparieren von Haushaltsgeräten oder der Erzeugung von Schmuck aus Elektroschrott zur Umweltentlastung bei. "Wer die Dienste sozialökonomischer Betriebe in Anspruch nimmt, kauft nachhaltig und unterstützt somit Beschäftigung und Umweltschutz – Einkaufen mit Herz und Hirn sozusagen", wie es die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima und AK-Präsident Herbert Tumpel ausdrücken.
Konzerne lassen oft in der Dritten Welt unter sozial und ökologisch höchst bedenklichen Bedingungen produzieren. Dadurch können sie dann in den Industrieländern ihre Produkte billig auf den Markt werfen. Das kostet auch bei uns Arbeitsplätze und führt oft dazu, dass besonders ältere, behinderte oder nicht so gut ausgebildete Menschen vom Arbeitsmarkt gedrängt werden. Besonders prekär ist auch die Arbeitsmarktsituation für SchulabbrecherInnen oder Lehrstellensuchende. Gleichzeitig wird allerorts mit angeblich ökologisch erzeugten Produkten Werbung betrieben. Doch welche Waren und Dienstleistungen werden tatsächlich ökologisch und unter vertretbaren sozialen Standards hergestellt? Kaum jemand findet sich wirklich zurecht.
Doch es gibt sie, die hochwertigen und günstigen Leistungsangebote, die Umweltschutz und arbeitsmarktpolitische Initiativen zur Qualifikation und Integration von Menschen verbinden und es schaffen, Menschen wieder ins Berufsleben zurück zu bringen.
Der von der AK Wien und der Umweltschutzabteilung MA 22 der Stadt Wien gemeinsam herausgegebene "Faire Chancen Einkaufsplan" listet solche Betriebe und Einrichtungen für Wien auf. Thomas Ritt, gemeinsam mit Eva Persy für Redaktion und Konzept des nachhaltigen Branchen- und Dienstleistungsplans verantwortlich, sieht zwei Dinge, welche die gelisteten Betriebe gemeinsam haben: "Sie erbringen wichtige Umweltleistungen und sie beschäftigen Menschen, die – beispielsweise wegen langer Arbeitslosigkeit oder wegen Behinderung – am ersten Arbeitsmarkt' nicht Fuß fassen können. Durch ihren Beitrag zur Qualifizierung und Integration dieser ArbeitnehmerInnen erbringen diese Betriebe wichtige soziale Leistungen."
Dr. Wilfried Leisch ist Unternehmens- und Energieberater, freier Publizist und Redakteur von "Wirtschaft & Umwelt".
Kontroverse

Klimaschutz - Sollen die MieterInnen dafür zahlen?

Klimaschutz und Energiesparen ist in aller Munde, die Dämmung von Gebäuden würde sehr viel dazu beitragen können. Geht es nach den WohnbauträgerInnen, sollen die Kosten nach einer thermischen Sanierung auf die MieterInnen abgewälzt werden. Sollen die MieterInnen für den Klimaschutz zahlen?